Auf dünnem Eis – die Asylentscheider

© DOK.fest München

„Was ist Gerechtigkeit?“, fragt ein Mitarbeiter des BAMF in einem Interview für den Film „Auf dünnem Eis – die Asylentscheider“. – Eine Frage biblischen Ausmaßes, erinnert sie doch an Pontius Pilatus‘ Einwendung „Was ist Wahrheit?“ gegenüber Jesus.

Natürlich kann der Fall des rechtsextremen Bundeswehrsoldaten, der als vermeintlicher Syrer Asyl gewährt bekam, Zweifel aufkommen lassen an der Arbeitsweise des BAMF. Doch der Film zeigt, dass es sich die BAMF-Mitarbeiter in der Regel nicht leicht machen mit ihren Entscheidungen.

Nur einmal begegnen sich Asylentscheider und Antragsteller

Die Dokumentation begleitet drei Asylentscheider und drei ihrer Antragssteller von der Anhörung bis zum Bescheid. Sie vermittelt dem Zuschauer einen Eindruck in den Alltag und die Arbeitsweise der Behördenmitarbeiter: ihr Aktenstudium, ihre Recherchearbeiten für den jeweiligen Fall, den Austausch unter den Kollegen, ihre Methoden, die nötige emotionale Distanz zu den Betroffenen zu wahren, und ihr Bemühen, den einzelnen Antragstellern gerecht zu werden.
„Kann man da nicht mal ein Auge zudrücken?“, wird eine der Entscheiderinnen gefragt. Sie ist schon seit vielen Jahren beim BAMF tätig und hat eben einen Antrag abgelehnt. „Kann man“, ist ihre Antwort. „Nur: Dann sind wir bei der Willkür. Denn wie verhalte ich mich dann, wenn mir jemand gegenübersitzt, der mir nicht sympathisch ist?“
Asylentscheider und Antragsteller begegnen sich nur am Tag der Anhörung. Dem Tag, an dem der Asylsuchende mit Unterstützung eines Dolmetschers seine Fluchtgründe glaubhaft darlegen muss, um Asyl gewährt zu bekommen.

Die schier unerträgliche Anspannung des Wartens

Zwischen der Anhörung und dem Asylbescheid vergehen in der Regel mehrere Monate des Wartens und Bangens, während derer die Geflüchteten unter einem enormen psychischen Druck stehen. Man meint ihre Anspannung im Film nahezu spüren zu können.
Eine andere Szene zeigt eine Mitarbeiterausbildung des BAMF. Gerade einmal fünf Wochen dauert eine solche Schulung derzeit. Die letzten Filmsequenzen zeigen einen der frisch geschulten BAMF-Mitarbeiter bei seiner ersten Anhörung: dem Fall einer jungen Jesidin aus dem syrisch-irakischen Grenzgebiet. Während der Schilderung des erlebten Grauens beginnt sie zu weinen, auch ihr Übersetzer bricht in Tränen aus, der Asylentscheider unterbricht die Sitzung für eine Pause. Im Abspann erfährt man von der Anerkennung ihres Asylantrags.

Der Film der Regisseurinnen Sandra Budesheim und Sabine Zimmer geht unter die Haut. Er lässt eine Bundesbehörde lebendig werden, von deren Existenz viele vermutlich erst durch die dramatischen Ereignisse der letzten beiden Jahre gehört haben. Und er trägt das Hoffen und Bangen der Geflüchteten, die auf ihren Bescheid warten, ganz nah an die Zuschauer heran.
Dreimal war er auf dem diesjährigen Münchner DOK.fest zu sehen. Am Dienstag, den 20.6.2017, strahlt in das ZDF aus – um 0:05 Uhr, einer ganz besonderen Sendezeit.

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