Eiszeit – diesen Sommer und Winter am Jexhof

Flyer zur aktuellen Sonderausstellung Eiszeit(en)  © Bauernhofmuseum Jexhof

Ein Wiesenmammut am Wegesrand, ein Geopfad entlang des Kellerbachs, ein Eiszeitgarten vor dem Bauernhof und die aktuelle Sonderausstellung „Eiszeit(en). Gletscher, Mammut und Moränen“ – die Eiszeit ist heuer das prägende Thema am Jexhof.

Ein ästhetisch perfekt an das Thema Eiszeit angepasster Ausstellungsraum

Weißer Boden, abgeschrägte, spitz aufeinander zulaufende weiße Wände, die an Eisberge erinnern, verstärkt durch das eisblau leuchtende Lichtband in den Bodenfugen – es ist ein Gefühl von arktischer Kälte, wie man es eben mit der Eiszeit verbindet, das die BesucherInnen gleich zu Beginn der Ausstellung in ihren Bann zieht. Doch die moosgrünen Tundrakugeln, die zwischen den unterschiedlich großen Schneekugeln hängen, lassen ahnen, dass die Welt der Eiszeit keine ausschließlich weiße war. Ausstellungsgestalterin Ruth Strähhuber hat hier einen ästhetisch perfekt auf das Thema abgestimmten Ausstellungsraum geschaffen, wie man ihn vielleicht eher in einer Kunsthalle als in einem Bauernhofmuseum vermuten würde.  

Stellvertretende Landrätin Martina Drexler, Museumsleiter Dr. Reinhard Jakob u. Prof. Dr. Christioph Mayr von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg bei der Ausstellungseröffnung  © Bauernhofmuseum Jexhof

Der Jexhof: durch seine Lage der ideale Ausstellungsort zum Thema Eiszeit

Der Jexhof liegt in einer Geländemulde einer Jungmoräne. Somit ist er schon durch seine Lage wie geschaffen für eine Ausstellung zum Thema Eiszeit. Und so nimmt die Frage, wie die Eiszeiten unsere Landschaften geprägt haben, einen breiten Raum in der neuen Sonderausstellung ein. Ein Gipsmodell beispielsweise zeigt, wie der Vorstoß und der Rückzug des würmzeitlichen Isar-Loisach-Gletschers das Gelände um den nördlichen Bereich des Ammersees geformt haben. Die Silhouette des bis zu 1.300 Meter hohen Gletschers an der Wand dahinter macht sichtbar, wie niedrig im Vergleich dazu der Eiffelturm ist.
Hat man sich erst einmal bewusst gemacht, was Gletscher bei ihren Vorstößen alles an Geröll vor sich herschieben, kann man verstehen, warum sich Steine bis aus dem Engadin in der Umgebung des Jexhofs finden lassen.

Bei der Ausstellungseröffnung: 3. v. l. Ausstellungsgestalterin Ruth Strähhuber, Messebauer Mathias Knödel, wiss. Mitarbeiterin Elisabeth Lang. An der Wand im Hintergrund: Silhouette des Isar-Loisach-Gletschers  © Bauernhofmuseum Jexhof

Wir leben in einem Eiszeitalter

Doch zuvor geht die Ausstellung den Fragen nach, was Eiszeiten eigentlich sind, warum und wie Eiszeiten entstehen und wann es Eiszeiten gab. Für manchen hier eine vielleicht überraschende Erkenntnis: Wir leben aktuell in einer Eiszeit, allerdings in einer Warmzeit. Drei Erdkugeln illustrieren das Aussehen unseren Planeten zu Zeiten unterschiedlicher Vereisung: vor 650 Mio. Jahren, vor 305 Mio. Jahren und vor 18.000 Jahren. Zudem helfen Video-Sequenzen, die komplexe Materie  zu veranschaulichen.

Blick in eine eisige Welt: die Eiszeitalter und die Erdkugel während verschiedener Eiszeiten  © Elisabeth Lang

Ein unscheinbarer Höhepunkt der Ausstellung: Zwei winzige Feuersteinklingen

Weitaus einfacher ist es, den BesucherInnen Flora, Fauna und die Welt der eiszeitlichen Menschen in unserer Gegend zu vergegenwärtigen.  Beeindruckend sind hier die zahlreichen Leihgaben insbesondere der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie: Sie reichen von dem Schädel einer Höhlenhyäne über die Geweihschaufel eines Elchs bis hin zu einem 1,5 Meter langen Stoßzahn eines ausgewachsenen Mammuts. Den Lebendrekonstruktionen eines Wrangel-Mammuts und eines jungen Wollnashorns möchte man am liebsten ihr Fell kraulen. Ein Mobile mit essbaren Pflanzen und eine Video-Sequenz zum Thema Kochen ohne Topf machen deutlich, wie sich die Eiszeitjäger ernährten. Repliken vor allem aus dem Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren zeigen die Kunstfertigkeit und die damit verbundene Gedankenwelt unserer Vorfahren etwa 40.000 Jahre vor heute. Doch den etwas unscheinbaren Höhepunkt dieser Abteilung bilden zwei kleine Feuersteinklingen. Erst 2017 wurden sie bei einer Grabung in Germering-Nebel gefunden. Sie beweisen, dass die Eiszeitmenschen auch in unserer Gegend lebten.

Nur zwei bis drei Zentimeter groß: die Sensationsfunde von Germering-Nebel  © Elisabeth Lang

Ausblick: Kommt die nächste Eiszeit?

Seit dem Eintreffen des modernen Menschen in Europa vor etwa 40.000 Jahren hat sich unser Planet gründlich verändert. Veränderte klimatische Bedingungen und die Überjagung durch den Menschen haben die großen Säugetiere bei uns alle verschwinden lassen. Mit zunehmender Industrialisierung ändern sich über Jahrtausende hinweg wiederkehrende Klimazyklen. Wird es also die nächste, klimazyklisch bevorstehende Kaltzeit überhaupt geben? Oder steht uns eine weitere Warmzeit mit Flusspferden in den Rheinauen bevor? So, wie wir sie zuletzt in der Eemzeit vor ungefähr 120.000 Jahren hatten? Diesen hochaktuellen Fragen geht die letzte Station der Sonderausstellung nach. Optisch untermalt von einem hier rötlich schimmernden Lichtband.

Deutlich weniger kühl: die Perspektiven für die Zukunft  © Elisabeth Lang

Beiträge in der örtlichen Presse:
Münchner Merkur
Süddeutsche Zeitung

Das aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen abgespeckte Rahmenprogramm:
10.10.2020, 10 bis 14 Uhr: Auf den Spuren der Eiszeit entlang der Amper. Geologische Wanderung mit Dr. Thomas Geist
Ab Herbst Führungen durch die Sonderausstellung. Die genauen Termine werden in der örtlichen Presse und auf Facebook angekündigt.

Die Übertragung der Ausstellungseröffnung auf dem Jexhof-Youtube-Kanal:

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