Ein Hoch auf den Datenschutz

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Datenschutz und Schuhläden scheinen nicht gerade das Dreamteam schlechthin zu sein. Es ist noch nicht so lange her, da war in der Zeitung von einem Freak aus Niederbayern zu lesen, der auf Nachfrage in der heimatlichen Filiale einer Schuhkette, deren Schuhe „man gleich anbehält“, immer die Postleitzahl eines Ortes in Niedersachen angab, weil ihm dieses Gedöns mit der Käuferstatistik zu privat war. Wie der wohl reagiert hätte, wäre er wie wir neulich in einem fürstenfeldbrucker Schuhladen gestanden …

Das war nämlich so: Wir wollten Essen gehen und anschließend ins Kino. Schräg gegenüber des Lokals befindet sich ein Schuladen. Weil noch ein wenig Zeit war bis zum Filmbeginn, wollte ich da natürlich rein. Und wurde tatsächlich auf die Schnelle fündig. Also zack ab an die Kasse. – Aber ab da ging dann alles etwas langsamer.

Zunächst bekamen wir nur am Rande mit, dass die Kassiererin der Kundin vor mir anbot, Schuhe direkt nach Hause zu schicken. Toller Service, denke ich so nebenbei. Dafür aber muss die Kundin logischerweise ihre Adresse angeben.

An der Kasse endet der Datenschutz

Zum Leidwesen der Käuferin ist dies jedoch gar nicht so einfach. Während ich gedanklich eigentlich schon eher im Kino bin, registriere ich so nebenbei den schönen roséfarbenen Mantel der Dame. Für uns kaum vernehmbar nennt sie ihren Namen. Doch die Verkäuferin, des Deutschen nicht so ganz mächtig, hat damit ein kleineres Problem. „Biller oder Willer? Was haben Sie gesagt?“
„Biller. Mit B wie Berta.“
 „Aha! Also Biller Berta!“
„Nein, nicht Berta!“
 „Doch nicht Biller Berta?“
„Nein! Oder: Ja, schon Biller!“
„Also, was denn nun: ja oder nein?“
Allmählich wurde es lauter: „Ja, schon Biller, aber nicht Berta!“
„Aha! Und wie heißen Sie dann?“
„Emma!“
„Also doch nicht Biller?!“
„DOCH! Ich heiße Emma Biller.“
„Ach so! Und was davon ist Ihr Vorname?“
„EMMA!“
„Schreibt man das mit zwei m?“
„JA.“
„Okay. Und wo wohnen Sie?“
„In der Bräugasse“
„Mit äu oder mit eu?“
„Mit äu natürlich! Kommt doch von brauen!“
„Ach so! Dann also Braungasse!“ – Die Verzweiflung der Kundin wächst: „NEIN! Bräugasse mit äu!“ Die Verkäuferin bleibt betont ruhig. „Okay! Und Ihre Postleitzahl?“ Die Kundin nennt sie.
„Wie bitte? Ich habe Sie nicht ganz verstanden?“ Die Kundin wiederholt sie, wobei die Verkäuferin jede Ziffer nochmal lauthals wiedergibt.
Ich bin inzwischen schon ganz gespannt, welcher Ort das wohl sein mag. Die Dame in Rosé nennt ihn und wendet sich, inzwischen etwas aufgelöst, an uns: „Mich würde mal interessieren, wo hier jetzt eigentlich der Datenschutz bleibt!“ Ich nicke verständnisvoll. Es war nicht möglich, ihre Adresse nicht zu hören. Und nachdem sie der Verkäuferin auch noch brav ihre Telefonnummer gesagt hat – warum die nötig war, um ein Paket zu verschicken, ist mir schleierhaft ‑, meine ich belustigt: „Wir rufen dann morgen mal an und fragen, was es zum Frühstück gab.“
Die Kassiererin ist von der besonders gründlichen Sorte. Weil sie alles richtig machen möchte, setzt sie an: „Also, ich wiederhole das jetzt alles noch mal …“

Kundenadresse und Datenschutz – ein Desaster

Ein paar Minuten später treffen wir Emma Biller und ihren Begleiter im Kino an der Kasse. Wir begrüßen uns wie alte Bekannte.
„Wie bitte? Auf welchen Namen haben Sie reserviert? Ich kann unter Willer keine Karten finden.“ Der freundliche junge Mann sucht verzweifelt in seinem Computer. Da sind wir mit unserem Nachnamen an der Kasse nebenan echt schneller. Wir nehmen im Kinosaal unsere Plätze ein. Und sind neugierig, ob sich Emma Biller und Begleiter gleich neben uns setzen werden. Doch die beiden sind nirgendwo im Saal zu sehen.

Nach dem Film spekulieren wir, welchen Film sich die zwei wohl angeschaut haben. Wir kommen zu keinem eindeutigen Ergebnis. Aber das macht nichts! Schließlich habe ich ja Emma Billers Telefonnummer. Ich muss sie nur anrufen. Und bei der Gelegenheit kann ich sie dann gleich noch nach ihrer Schuhgröße fragen. – Den Datenschutz werde ich als Einwand jedenfalls nicht gelten lassen.

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