Familienausflug in die Berge

© Moritz Lang

Neulich hatten wir die Idee, den kommenden Feiertag für einen Familienausflug in die Berge zu nutzen. Das Wetter sollte schön werden und sogar die Kinder hatten Lust auf Abwechslung in ihrem Ferienalltag. Zu einer Zeit, zu der die wahren Bergfexe schon die ersten Selfies vom Gipfel posten, brachen wir endlich in Fürstenfeldbruck auf. Aber heutzutage ist man mit solchen Peinlichkeiten nicht alleine, die verstopften Autobahnen Richtung Berge bestätigen das.

Häufiger Begleiter bei einem Familienausflug in die Berge: der Stau

An den wippenden Körperbewegungen in den uns umgebenden Autos kann ich erkennen, wo man denselben Sender hört wie wir. Die einen Fahrer drängeln sich verbissen in kleine Lücken zwei bis drei Autolängen nach vorne, die anderen liegen tiefenentspannt hinter ihrem Steuerrad, den linken Arm derart lässig aus dem Fenster hängend, dass man meinen könnte, es handele sich dabei um eine körperfremde Attrappe. Ein paar mehr oder weniger niedliche Hunde halten ihre Schnauzen mit geschlossenen Augen genießerisch in den nicht gerade strengen Fahrtwind. Das lässt mit mehreren „Oh, wir süüüüüß!“ bei uns im Auto wieder mal das leidige Thema Haustier aufpoppen.

Anlässlich des aktuellen Feiertags Mariä Himmelfahrt fragt unsere Tochter, ob man denn auch den Geburtstag Mariens kenne. Ich hole aus zu einer ausführlichen Erklärung, vernehme interessiertes „Aha“ und „Mhm“, was mich dazu motiviert, noch tiefer in die Materie einzusteigen. Erzähle von der Ungewissheit tatsächlicher Daten, spreche vom Einbetten vorchristlicher Kultfeste in den christlichen Feiertagskalender und drehe mich zu ihr um, Blickkontakt suchend. – Also, an welcher Stelle meiner Erklärungen unser Töchterlein ausgestiegen ist und sich ihre Kopfhörer aufgesetzt hat, weiß ich nicht. Aktuell jedenfalls schaut sie, verzückt zur Musik mit dem Kopf nickend, aus dem Fenster. So viel zum Thema gelingende Kommunikation zwischen Eltern und Kind.

Unser Stau hat sich inzwischen so ausgewachsen, dass wir vorzeitig von der Autobahn abfahren, um uns auf der Landstraße dem Spitzingsee zu nähern. Aber auch mit dieser Idee sind wir nicht allein.

Die Sache mit dem Weltentspannungstag

Mein Mann ist inzwischen ein ganz kleinwenig genervt. Er würde das Auto am liebsten am Straßenrand stehen lassen und mit einem imaginären Fahrrad weiterfahren. Unser ältester kann das gar nicht nachvollziehen, weil „es ist halt jetzt so, wie es ist“. Während unser jüngster mit einer Plastiktüte am geöffneten Fenster sitzt, den Tränen nahe, weil er sich bestimmt gleich übergeben muss. Und so rollt unsere Schicksalsgemeinschaft weiterhin im Schneckentempo den Bergen entgegen. Wir verpesten mit unseren Abgasen die ach so idyllisch anzusehenden Weiden entlang der Straße, auf denen die Kühe trotzdem höchst meditativ vor sich hingrasen. Eine wahre Wonne also, unser Familienausflug in die Berge!

Aus dem Radio erfahren wir, dass heute Weltentspannungstag ist. Aha! Naja, die Entspannung hatten wir uns eigentlich vom Gipfelblick versprochen. Aber vielleicht sollten wir flexibel sein und umdisponieren auf die saftigen Wiesen links und rechts von uns, gemäß der alten chinesischen Weisheit „Der Weg ist das Ziel“.

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