Vom Osterei und Osterbrauchtum

© Elisabeth Lang
Das Osterei gehört zu Ostern wie der Christbaum zu Weihnachten. Doch bis die Kinder am Ostersonntag ihre Ostereier suchen, ist von der Palmbuschenweihe am Palmsonntag bis hin zum Osterfeuer schon vorab einiges an Brauchtum geboten.

Ostereier sind ein wesentlicher Bestandteil des Osternestes. Dabei füllen nicht nur gefärbte Hühnereier, sondern auch Schokoladen-, Gelee- und sonstige süße Eier die versteckten Nester.

Das Osterei – eine typisch christliche Überformung eines uralten Symbols

Seit Jahrtausenden gilt das Ei als Sinnbild neuen Lebens und als Symbol der Fruchtbarkeit. Bei den Germanen und weltweit spielt(e) das Ei in den Frühlings- und Fruchtbarkeitsriten eine wichtige Rolle. In der christlichen Tradition symbolisiert das Ei die Auferstehung: So, wie Christus von den Toten auferstanden ist, entsteht im Ei aus etwas scheinbar Totem neues Leben.

Eine Eierweihe zum Osterfest ist seit dem 12. Jahrhundert nachweisbar. Bis heute sollen die geweihten Speisen die Gläubigen nach 40 Tagen des Fastens stärken. Die geweihten Eierschalen wurden, klein vermahlen, dem Viehfutter beigemischt. Oder man streute sie zusammen mit der Asche vom Holz, das am Osterfeuer angezündet worden war, auf die Äcker. So sollten auch Vieh und Felder gesegnet werden.
Ursprünglich waren die Ostereier rot gefärbt, wobei Rot die Farbe des Lebens und der Fruchtbarkeit symbolisiert. Zugleich verweist Rot aber auch auf das vergossene Blut Christi und die dadurch erwirkte Erlösung. So kommt es, dass die alten Oberpfälzer die Ostereier bis heute noch „Reijal-Oia“ (rötliche Eier) nennen. Zum Färben verwendete man früher meist Zwiebelschalen, was den Eiern ihren rötlichen Farbton gab.

Wasser, frisches Grün und das Osterei – alles Hoffnungszeichen für neues Leben

Ein Osterstrauß aus blühenden Forsythien-, Palm- und sonstigen grünen Zweigen, reich geschmückt mit bunt verzierten Ostereiern, gehört heute zum allgemeinen Osterbrauchtum.
Die Tradition der geschmückten Osterbrunnen stammt ursprünglich aus der Fränkischen Schweiz: In der wasserarmen Gegend werden die Brunnen im Frühjahr gründlich gereinigt, mit immergrünen Garben geschmückt und mit zahlreichen, oft höchst kunstvoll bemalten Eiern reich verziert. – Die Symboldichte für die Hoffnung auf neues Leben nimmt hier barocke Züge an! Kein Wunder, dass dieser Brauch heute in zahlreichen anderen Orten aufgegriffen wird.

Das Osterei: auch Liebesgabe und Spielobjekt

Schon in der Barockzeit verschenkte man reich verzierte Ostereier. Als Liebesgabe für die Angebetete waren sie gern mit Liebesbezeugungen kunstvoll beschrieben. Da heißt es zum Beispiel:

„Freundschaft hab ich dir versprochen
und noch nie mein Wort gebrochen.
Zum Zeichen meiner Treu
schenk ich die ein Osterei.“

Und die Kinder? Sie gingen schon immer praktisch, pragmatisch und spielerisch mit dem Eiersegen um. Nachdem man nicht alle auf einmal essen kann, lässt es sich ja auch vortrefflich damit spielen!
So entstand beispielsweise das „Eierpecken“ bzw. „Eierpicken“ oder „Eierbibbeln“: Zwei Eier werden vorsichtig aneinandergeschlagen (gepeckt). Sieger ist, wessen Ei dabei nicht zerbricht. Das angepeckte Ei des Verlierers ist der Siegpreis. Auch andere Spiele wie das sog. „Oarwoagln“ oder „Oarscheibn“ haben Wettkampfcharakter. Wer sie kennenlernen möchte oder Experimente mit Eiern ausprobieren will, dem sei das traditionelle Ostereiersuchen am Ostermontag am Jexhof empfohlen.

Quellen:
Bichler, Albert: Feste und Bräuche in Bayern im Jahreslauf. München, 2013.
Kirchhoff, Hermann: Christliches Brauchtum. München, 2007.
Kumpfmüller, Judith / Steinbacher, Dorothea: Das bayerische Brauchtumsjahr. München, 2005.
Osterbräuche im Überblick (o.N.), https://cms.vivat.de/themenwelten/jahreskreis/ostern/osterbrauchtum.html. Abgerufen am 15.4.2019.

 

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